10|02|2020

Weser-Kurier

Erhöhter Planungsaufwand

Bettenhaus der Aller-Weser-Klinik wird teurer

So soll das neue Bettenhaus einmal aussehen: Für Sommer 2022 ist die Fertigstellung geplant. Visualisierung: © MACINA digital film GmbH & CO KG, Aller-Weser-Klinik)

Text: Andreas Becker

Mehrkosten für Rohbau und Brandschutzauflagen beim Großprojekt der Aller-Weser-Klinik Verden verteuern das Millionenprojekt. Aktuell hat der Bodenaushub begonnen.

Die Arbeiten am neuen Bettenhaus der Aller-Weser-Klinik (AWK) in Verden haben kürzlich erst begonnen, doch schon jetzt ist klar, dass die Kosten voraussichtlich über dem geplanten Budget von insgesamt 38 Millionen Euro liegen werden. Denn die Kosten für den Rohbau betragen laut Christian Merhof von der Architektengruppe Schweitzer 6,7 Millionen Euro. Geplant waren knapp sechs Millionen Euro. Auch erhöhte Brandschutzauflagen hätten für eine Kostensteigerung von etwa einer Million Euro gesorgt. Dazu sei ein erhöhter Planungsaufwand gekommen, und die Baugenehmigung habe sich deutlich verzögert.


„Wir wissen erst Ende 2020, Anfang 2021 wo wir bei den Kosten liegen werden“, sagte Merhof am Montag während eines Pressegesprächs. Dann erst sind die Ergebnisse der Ausschreibungen zu erwarten. Auch die Ausschreibung des Rohbaus ging nicht glatt über die Bühne, wie AWK-Geschäftsführerin Marianne Baehr erinnert. „Wir hatten in der erste Runde nur ein Unternehmen, das eine Million Euro über dem Budget lag.“ In der zweiten Runde hätten sich dann vier Firmen beworben, deren Preisvorstellungen akzeptabler gewesen seien. Laut Merhof sei der Rohbau nur für einen kleinen Teil des Gesamtbudgets von bislang 38 Millionen Euro verantwortlich. „Der Hauptteil des Geldes wandert in die Gebäudetechnik, denn die ist bei einem Krankenhaus enorm aufwendig“, ergänzte Baehr. So werde es alleine drei Stromnetze in dem Neubau geben. Neben der normalen Stromversorgung ein Notstromsystem sowie eine Batterie für empfindliche Geräte. Dazu komme ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, etwa für den neuen OP-Trakt.

Zu einer Verzögerung des Baubeginns um einen Monat hatte das Erdbeben im vergangenen Jahr gesorgt, wie Marianne Baehr erklärte. „Es gab damals Risse in den Nachbarhäusern, und wir mussten die Beweissicherung abwarten, damit es nicht hinterher heißt, die Schäden hätten in den Bauarbeiten bei uns ihre Ursache.“ 

Von den angepeilten 38 Millionen Euro Investitionen übernimmt das Land Niedersachsen 30 Millionen Euro. Die restlichen acht Millionen Euro übernehmen nach Angaben der Geschäftsführerin die Stadt und der Landkreis Verden zu gleichen Teilen. Kostensteigerungen sollen durch zusätzliche Förderung durch das Land aufgefangen werden. „Wir sind da in einer engen Abstimmung“, betonte Baehr.

Auf dem Bauplatz habe in dieser Woche der Bodenaushub begonnen, so Marcel Venjakob von Schütt-Ingenieurbau aus Münster. Insgesamt müssten 11 000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben und abtransportiert werden. Das entspricht etwa 800 An- und Abfahrten, zwischen 15 und 25 Lkw täglich. Ab März soll dann die Bodenplatte gegossen werden. „Das wollen wir möglichst an einem Tag schaffen, in zwölf Stunden müsste das möglich sein“, sagte Venjakob. Etwa 40 Betonmischer müssten dann das Material anliefern. An diesem Tag sollen die Bauarbeiten bereits um 5.30 bis 6 Uhr anfangen, um die Bodenplatte fertig zu bekommen.

Nach der Bodenplatte soll das neue Bettenhaus im Laufe des Jahres in die Höhe wachsen. Das Richtfest wird voraussichtlich in einem Jahr, also Anfang 2021, gefeiert. Durch den Neubau entstehen zwar nur 20 Betten mehr, verbessert wird dadurch laut Marianne Baehr in erster Linie die Qualität der Aller-Weser-Klinik in Verden. Deshalb sei das Großprojekt nicht nur für die Mitarbeiter und die Patienten „enorm wichtig“, sondern auch für Stadt und Landkreis. Die Anzahl der Betten steigt durch den Neubau auf 150, zentraler Punkt ist auch ein neuer OP-Bereich mit vier neuen Sälen und einem anliegenden Aufwachbereich.

© Weser-Kurier 2020

 

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