01|07|2011

KU Special 

Modern – kompakt – ökonomisch

Neubau des Gesundheitszentrums Capio Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg

Artikel KU Special 05/2011

Das Akutkrankenhaus, welches 1961 erbaut wurde, kann den aktuellen Maßstäben nicht mehr gerecht werden. Eine Sanierung ist zu teuer. So entschied sich der Träger, die Capio Deutsche Klinik GmbH, für den Neubau eines Gesundheitszentrums. Für die Planung des Gesundheitszentrums Capio Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg wurde ein Konzept für ein kompaktes Klinikum auf dem neusten Stand der Technik entwickelt. Durch optimierte Behandlungsprozesse und die Integration ambulanter Strukturen bei knappem Raumprogramm kann das Gesundheitszentrum wirtschaftlich und DRG-gerecht betrieben werden. Die endgültige Inbetriebnahme des Neubaus ist für Frühjahr 2012 geplant.

Die Bausubstanz ist nach über 40jährigem Betrieb in erheblichem Maße sanierungsbedürftig. Das Dach ist teilweise beschädigt und in weiten Bereichen ungedämmt. Auch die Fassade wurde in den 60er Jahren gänzlich ohne Dämmung ausgeführt. Diese Mängel, die sehr große Gebäudeoberfläche und eine veraltete Gebäudetechnik erzeugen einen außerordentlich hohen Energieverbrauch im Bereich Heizung und Warmwasser. Weiterhin führt die Gesamtstruktur des Krankenhauses mit seiner flächigen Ausdehnung zu langen Wegen und erschwert die Orientierung für Patienten und Besucher. Durch die nicht veränderbare Raumgröße sind zudem die Krankenhausprozesse kompliziert gestaltet. Diese Nachteile werden bisher durch großen Mitarbeitereinsatz kompensiert. Dadurch ist für die Patienten eine hohe Versorgungsqualität gewährleistet.

Die Sanierung des Altbaus und die Umsetzung eines zeitgemäßen Standards wurden seit 2004 in verschiedenen Varianten von einer Architektengruppe untersucht. Eine Sanierung, verbunden mit einem Generalumbau der bestehenden Capio Elbe-Jeetzel-Klinik, stellte sich jedoch als unwirtschaftlich heraus.

Auf Grund der Mängel an der Gebäudesubstanz wurde 2007 vom Träger Capio Deutsche Klinik GmbH ein vollständiger Ersatzneubau unter Berücksichtigung der Vorgaben des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) in Zusammenarbeit mit der Oberfinanzdirektion Hannover beschlossen, 2008 beantragt und auch zeitnah bewilligt.

 

Lean Production – eine Anleihe aus der Industrie

Unter dem Begriff Lean Production wird der sparsame und zeiteffiziente Einsatz von Personal, Planung und Organisation im Rahmen aller Aktivitäten im Unternehmen verstanden. Im Dialog mit dem Betreiber und den Nutzern wurden die Methoden des Lean Production-Ansatzes aus der Industrie auf die Situation der Krankenhäuser übertragen. Demnach sollen organisatorische Abläufe verbessert werden. Konkret heißt das, dass nicht die Behandlungsdauer, sondern der Anteil nicht-wertschöpfender Prozesse reduziert wird.

Welche Räume und Funktionen gehören bei der Entwicklung eines Raumprogramms für ein Krankenhaus zwingend dazu, und was ist verzichtbar? Diese Frage bildete unter dem Schlagwort „das schlanke Krankenhaus“ die planerische Grundlage für den hier vorgestellten Entwurf.

Dannenberg hat ca. 8.700 Einwohner und liegt im weitläufigen und dünn besiedelten Landkreis Lüchow-Dannenberg mit etwa 50.000 Einwohnern. Es ist somit ein klassisches Beispiel für eine sogenannte strukturschwache Region. Dort ist das Ziel der Krankenhausplanung im Gegensatz zu Ballungsräumen nicht der Abbau von Überkapazitäten, sondern eine flächendeckende und möglichst wohnortnahe medizinische Grundversorgung der Bevölkerung.

 

Im Neubau der Capio-Elbe-Jeetzel Klinik als ein vollwertiges Akutkrankenhaus sollen:

  • die Prozessabläufe betriebswirtschaftlich optimiert,
  • die Aufenthaltsqualität für Patienten und Mitarbeiter verbessert und
  • die Grundlagen für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung geschaffen werden.

 

Folgende Ansätze haben sich nach dem Soll-Ist-Vergleich als Basis der Krankenhausplanung herauskristallisiert:

  • Prozessoptimierung, 

  • Flexibilisierung der Stationsgrößen, 

  • Optimierung von Wegeführung und Materialfluss,

  • Vermeidung von Auslastungsdefiziten und 

  • Ressourcenschonung (Niedrigenergie-Standard)

 

Eckpunkte

Der Patientendurchlauf in einer Verbindung aus logistischen und medizinisch-sozialen Komponenten bildet die Grundlage des neuen Krankenhauslayouts. Folgende Eckpunkte wurden dafür ausgearbeitet: Die Wegeführung für Patienten und Personal wird verbessert, da der Neubau kompakt ist und die Stationsgrößen sowie die Bettenzahl bedarfsgerecht gewählt sind. Ambulante Strukturen einschließlich einer Tagesklinik werden in den Klinikprozess integriert. Die Patientenführung im Bereich Aufnahme, Ambulanzen und Funktionsdiagnostik wird zentral organisiert. Auslastungsdefizite werden vermieden und somit Einsparpotentiale maximal ausgeschöpft. Dies gilt selbstverständlich auch für den gesamten Bereich der Gebäudetechnik. Das Gebäude im Niedrigenergie-Standard schont ökonomische und ökologische Ressourcen gleichermaßen, und der zeitgemäße Standard der neuen Bettenzimmer (ausschließlich Zweibettzimmer mit jeweils eigenem Bad) unterstützt eine schnelle Genesung der Patienten. 


Die basisdiagnostischen Untersuchungen werden zusammengeführt und Untersuchungsräume interdisziplinär genutzt. Der Dienstplatz der Notaufnahme und der Ruhebereich für die Kardiologie, Endoskopie und des ambulanten OP werden zusammengeführt. Intensivstation und Aufwachraum sind unmittelbarer benachbart, Rücken an Rücken werden die Dienstplätze von Notaufnahme und Intensivstation platziert. Die Wege zwischen der Entbindung, dem OP mit Sterilisation und dem Aufwachraum sind kurz. Ein zentraler Arbeitsbereich für die medizinisch-technischen Assistentinnen ersetzt die bisherigen separaten Chefarzt-Sekretariate.

 

Vorteile des Neubaus

In dem neuen Gesundheitszentrum werden moderne medizinische Verfahren auf höchstem technischem und hygienischem Niveau eingesetzt. Neben der OP-Abteilung mit Intensivmedizin, der neuen Entbindungsstation und der Notfallaufnahme stehen künftig CT und MRT, eine endoskopische Abteilung sowie ein Zentrum für ambulantes Operieren zur Verfügung. Sowohl die Diagnosetechnik als auch die OP-Ambulanz können von den im zweiten Obergeschoss des Klinikums niedergelassenen Ärzten mit genutzt werden, wodurch eine klassische Win-win-Situation entsteht: Das Klinikum optimiert die Auslastung der Technik, während die niedergelassenen Ärzte teure Investitionen einsparen.

Die Integration der ambulanten Strukturen kommt auch den Patienten zugute. Sie sparen Zeit und unnötig lange Wege. Um die Raumauslastung zu optimieren, findet beispielsweise parallel zur Raumplanung auch ein übergeordnetes Zeitmanagement statt.

Im Gegensatz zu einer Sanierungsmaßnahme kann auch der Krankenhausbetrieb während der gesamten Bauzeit nahezu störungsfrei weiterlaufen. Belästigungen durch Lärm und Staub werden weitestgehend vermieden, und die Patientenversorgung ist uneingeschränkt sichergestellt.

 

Regionaler Bezug

Herzstück des neuen Gesundheitszentrums wird die großzügig verglaste Eingangshalle sein. Sie ist die zentrale Leitstelle des Krankenhauses. Von dort aus verteilen sich Besucher sowie ambulante und stationäre Patienten in der Klinik.

Im ersten Obergeschoss der Klinik finden sich drei zusammenhängende Stationen mit zwei Schwesterndienstplätzen. Die in das Gesundheitszentrum integrierten niedergelassenen Ärzte betreiben im zweiten Obergeschoss ihre Praxen.

Attraktive Außenanlagen, ausreichender Parkraum sowie der angrenzende Wald steigern die Attraktivität des Krankenhauses zusätzlich. Außerdem werden Erweiterungsflächen für einen Reha-Bereich und ein Physiotherapie-Zentrum ausgewiesen.

Die Patientenzimmer sind mit einem neuen Wohlfühl-Standard eingerichtet. Sie verfügen über ein gut ausgestattetes, mehr als 4 Quadratmeter großes Bad. Jedes Bett bekommt ein eigenes Entertainment-System, über das sowohl Fernsehen als auch Internet zugänglich sind. Verschiedene interaktive Anwendungen wie etwa Essensbestellungen, hausinterne Angebote und Patientenaufklärungsfilme werden ebenfalls über diesen Anschluss bereitgestellt. Die großflächigen Fenster ermöglichen aufgrund ihrer niedrigen Brüstungshöhe einen Ausblick auch für bettlägerige Patienten. Die Patientenzimmer sowie die Cafeteria als Treffpunkt für Patienten und Besucher geben dem Klinikum ein modernes und freundliches Gesicht und unterstützen die schnelle Genesung der Patienten.

Das Gestaltungsmotto der neuen Capio Elbe-Jeetzel-Klinik lautet: Zusammenspiel Innen und Außen. Dies wird einerseits durch den starken Außenbezug der Patientenzimmer mit niedrigen Fensterbrüstungen und dem Blick in die grüne ostniedersächsische Landschaft umgesetzt. Andererseits finden sich Farb- und Gestaltungselemente der Fassade auch im Innenbereich wieder, so etwa die Sonnenschutzlamellen aus Hartholz, die einen Fassadenakzent setzen und deren Material sein farbliches Gegenstück in den Fußböden der Bettenzimmer findet. Grundsätzlich werden ortsübliche, natürliche Materialien bei der Gestaltung bevorzugt. Die Fassade wird mit Klinker rot-bunt gestaltet, und in der hellen Eingangshalle finden sich Glas und Holz in Kombination mit freundlichen Pastellfarben. Die Patientenzimmer werden aufwändig in zurückhaltenden Farbtönen und mit Fußböden in Parkettoptik ausgestattet.

Durch die strengen Winter entstand eine bauliche Verzögerung. Diese konnte schnell wieder aufgeholt werden, so dass der Bau derzeit planmäßig vorangetrieben werden kann. Die Fassadenarbeiten sind bereits vollständig abgeschlossen.

 

Fazit

Zukünftig wird es in Dannenberg eine Adresse für alle Fragen rund um die Gesundheit geben. Das Gesundheitszentrum Capio Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg wird seine derzeit schon für die Region Dannenberg herausragende Bedeutung mit über 250 Arbeitsplätzen weiter ausbauen und den Krankenhaus-Standort Dannenberg langfristig sichern. Die endgültige Inbetriebnahme des Neubaus ist für Frühjahr 2012 geplant.

 

Ganzen Artikel als PDF lesen: 
Download 700 KB

 

Weitere Informationen

Zum Projekt:

Capio Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg

 

Website der Klinik:

www.capio-elbe-jeetzel-klinik.de